Chronik
Die Geschichte des Blas - & Tanzorchesters Kallenhardt
Im Jahre 1829 wurde in Kallenhardt ein Musikverein gegründet, der heute unter dem Namen „Blas- und Tanzorchester Kallenhardt“ bekannt ist.
Wenn auch keine Protokolle und Akten über die Männer der ersten Stunde und ihre Tätigkeiten vorliegen, so geht aus der mündlichen Überlieferung hervor, dass der Begründer der Posaunist Franz Schmidt („de greute Dolle“) war, dem sich bald sein Schwager Kasper Knickenberg mit Flöte und Klarinette zugesellte. Später stieß der Geigen- und Tenorhornspieler Josef Schmidt („Drosten“) der Ältere zu ihnen, und dessen Sohn August Schmidt, der den Kontrabass strich. Im Verein mit ein paar Musikfreunden aus Scharfenberg konnte das kleine Ensemble von etwa sechs Mann bei den Prozessionen Choräle blasen und zum Schützenfest, auf der Kirmes, zur Fastnacht und bei Hochzeiten aufspielen.
Das musikalische Erbe übernahmen in der zweiten Generation Fritz Knickenberg, die Gebrüder Johannes und Josef Schmidt („Dollens“), deren Schwager Wilhelm Aust und die Brüder Josef und August Schmidt („Drosten“) und schließlich Josef Stepen. In der hohen Zeit der westfälischen Schützenfeste zogen diese musikbegeisterten Handwerker fast an jedem sommerlichen Wochenende, mit ihren Instrumenten beladen, ins Sauerland oder auf die Haardörfer, wohin der Ruf des Orchesters gedrungen war.
Im folgenden wurde die Geschichte des BTO durch die Musikerfamilie Aust geprägt. Im Jahre 1900 trat Wilhelm Aust (jun.) die Nachfolge seines Vaters als Kapellmeister an.Über einen Zeitraum von fast 50 Jahren leitete er die 15 Mitglieder des Orchester, die er allesamt selbst ausgebildet hatte. In den Jahren des zweiten Weltkrieges schaffte er durch Ausbildung junger Männer im Alter von 12-15 Jahren eine Erweiterung auf 20 Blasmusiker.
1946 übernahm Theo Aust sen. den Dirigentenstab von seinem Vater. In geduldiger und zäher Aufbauarbeit gelang es ihm, das Orchester auf 30 Musiker zu erweitern. Aufgrund der vorzüglichen Ausbildung konnten bald anspruchsvollere musikalische Werke in Angriff genommen werden.
Die Kunde von der erhöhten Leistungsfähigkeit des Orchesters führte schon 1947 zu der Verpflichtung, bei den Festen der Schützenbruderschaften Altenrüthen, Menzel und Meiste und der Anröchter Junggesellenschützen die musikalische Ausgestaltung zu übernehmen. Das erste größere Auftreten in der Öffentlichkeit erlebte das Orchester im Jahre 1950 beim Diozesantreffen der historischen Schützenbruderschaften in Paderborn. Beim großen Konzert auf der Festwiese fanden die Blasmusiker aus Kallenhardt so großen Anklang, dass sie 1951 für das Schützenfest in Paderborn verpflichtet wurden und in der Folgezeit noch viermal in der Stadt an der Pader ihr Können unter Beweis stellen konnten.
Immer häufiger war das Orchester in den folgenden Jahren unterwegs, als es weiteren Verpflichtungen in Oberkirchen, Fredeburg, Niedermarsberg, Meggen und Wenholthausen nachkamen. Dabei legte Kapellmeister Theo Aust immer und überall neben schneidiger Marschmusik zum Festzug und flotter Tanzmusik am Abend den größten Wert auf gute Konzertmusik.
In den siebziger Jahren wurde mit dem Aufbau eines Tanzorchesters begonnen.
Die Vielseitigkeit der Musiker machte es möglich, dass sich das Orchester in eine Egerländerbesetzung und ein modernes Tanzorchester, genannt BigBand, teilen konnte. Die BigBand wurde von Theo Aust jun., dem Sohn des Dirigenten, gegründet und geleitet. So gelang es dem Orchester, bei seinen Darbietungen den Wünschen der älteren und auch der jüngeren Generation gerecht zu werden. Diese Aufteilung des Orchesters hat sich so bewährt, dass sie auch heute noch auf Schützenfesten praktiziert wird. In der Zeit der späten siebziger Jahre erhielt das Orchester seinen heutigen Namen „Blas- und Tanzorchester Kallenhardt“.
Als im Jahre 1977 der Dirigent Theo Aust plötzlich verstarb, übernahm, wie in den vorangegangenen Generationen, sein Sohn Theo Aust jun. das Dirigentenamt, welcher somit die BigBand und das Blasorchester zu leiten hatte. Er legte wie seine Vorgänger großen Wert auf eine anspruchsvolle Ausbildung. Aufgrund des Bedarfs von qualifiziertem Nachwuchs wurde das Jugendorchester gegründet.
In den 80er Jahren prägten diverse Konzerte, die Mitwirkung bei einer Rundfunkübertragung sowie Spieltätigkeiten zu den verschiedensten Anlässen das musikalische Geschehen. Ein Höhepunkt war sicherlich die Aufführung eines Galakonzertes im Stadttheater in Arnsberg. Anlass war das 70-jährige Bestehen des Volksmusikerbundes Westfalen-Lippe. Außerdem nahmen sowohl das Blas- und Tanzorchester als auch das Jugendorchester regelmäßig an Wertungsspielen teil, auf denen ebenso regelmäßig erste Plätze belegt wurden.
Jahrelang organisierte Theo interessante Ausflüge nach Süddeutschland, an denen nicht nur aktive Musiker teilnahmen. Mitte der 90er Jahre folgte eine Reihe von Städte-Touren: 1994 nach Dresden (Höhepunkt war ein musikalischer Auftritt beim damaligen Ministerpräsidenten des Freistaates Sachsen Kurt Biedenkopf), 1995 nach Berlin, 1996 nach Hamburg (natürlich inklusive Musicalbesuch). 1997 fuhren wir Richtung Osten - nach Gleiwitz in Polen. Der Bergwerkkapelle aus „Gliwice“ fehlte auf ihrer Deutschlandtour aufgrund eines abgesagten Termins eine Übernachtungsmöglichkeit. Theo Aust besorgte ihnen Quartiere sowohl in verschiedenen Kallenhardter Pensionen als auch bei Privatleuten. An jenem Abend gaben die polnischen Musiker ein Platzkonzert im Biergarten des Hotels Knippschild in Kallenhardt. Sofort wurden Bekannschaften geknüpft, und man lud uns nach Polen ein. Diese Woche, in der man nicht nur Gleiwitz, Krakau und Umgebung kennen lernte, sondern auch musikalische Auftritte zu bewältigen hatte, ist vielen in guter Erinnerung geblieben; die herzliche und freundliche Aufnahme, die uns unsere polnischen Freunde entgegenbrachte, hat mit Sicherheit Anteil daran!
Aus den 90er Jahren sind noch zwei musikalische Höhepunkte zu erwähnen: einmal das Jubiläum der Musikkapelle Eversberg 1996, als wir mit Manfred Schneiders „Rock Highlights“ damalige Kritiker in ihre Schranken wiesen, und der „Musikexpress“ des kirchlichen Bläserchors in Gleidorf 1997, das seinen Geburtstag mit uns und dem Musikverein aus Calle musikalisch feierte.
Auf der Generalversammlung im Dezember 2000 übergab Theo Aust sein Amt als Kapellmeister an seinen ältesten Sohn Hendrik ab. Er hatte fast 25 Jahre das Orchester erfolgreich geleitet und wurde von der Generalversammlung zum Ehrendirigenten ernannt.
In den Jahren 2000 - 2002 wurde aus einem alten Bauernhof unser neuer Probenraum erbaut. Dieser entstand so gut wie in Eigenleistung. Durch Unterstützung auch einiger fördernder Mitglieder wurde das Projekt in Angriff genommen und am 12.05.2002 eingeweiht.
Nachdem die Baumaßnahmen abgeschlossen waren, konnte man sich nun wieder voll auf das Musizieren, allerdings in eigenen Räumen, konzentrieren. Es wurde erstmalig auch neben dem Jahreskonzert im Frühjahr auch ein Egerländer - Frühschoppen Anfang November auf die Beine gestellt. Die Kallenhardter Schützenhalle war schon ab dem 1. "Egerländer" gut gefüllt. Mit so einem überwältigendem Ergebnis hatte man nicht gerechnet, da man eigentlich von Egerländer - Freunden angesprochen wurde so eine Veranstaltung mal zu machen. Nun ist der "Egerländer" nicht mehr wegzudenken, da die Fangemeinde der konzertanten egerländer Blasmusik sogar noch anwächst.
175 Jahre wurde das BTO im Jahr 2004. Mit einem 3 - tägigen Festakt wurde dieses Jubiläum mit befreundeten und benachbarten Vereinen ausgiebig gefeiert.
Ende 2006 übernahm dann Holger Aust die Kapellenleitung von seinem Bruder Hendrik.
Im Jahr 2009 wurde erstmals wieder seit ca. 20 Jahren an einem Wertungsspiel teilgenommen. Die Anspannung war sehr groß, wobei viele junge Musiker so etwas noch nie mitgemacht haben. Es wurde in der Oberstufe mit sehr gutem Erfolg ein äußerst positives Ergebnis erzielt.
Das Orchester besteht derzeit aus knapp 30 aktiven Musikerinnen und Musikern. Über 10 Kinder und Jugendliche zwischen 9 und 16 Jahren befinden sich in der Ausbildung. Sie werden nach und nach über Aktivitäten wie anfänglich Prozessionen und später auch bei Auftritten mit dem Jugendorchester in den Verein integriert.
